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Philip

Philip - 27 Jahre alt - Lehramtsstudent und aktives Mitglied bei den JUSOS

Andrea: Wie ist denn ein aktueller Single Status?
Philip: Ich bin jetzt Single seit 2013. Meine letzte Beziehung hatte ich beendet, da war die Vertrauensbasis nicht mehr gegeben. Gerade bin ich auch recht glücklich damit. Ich suche nicht aktiv.

Andrea: Was ist dir wichtig in einer Beziehung?
Philip: Treue und Ehrlichkeit auf jeden Fall und Kommunikation, dass man eben über alles sprechen kann, gerade wenn was nicht passt. Mein damaliger Partner wollte eine offene Beziehung und da habe ich ganz klar gesagt, das möchte ich nicht, damit kann ich nicht umgehen. Ich hätte mich da in was reinzerren lassen, wo ich dann nur noch gelitten hätte. Ich habe nichts gegen eine offene Beziehung, aber für mich kommt das nicht in Frage.

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Andrea: Ist dieses Ding der offenen Beziehung ein Klischee der schwulen Szene?
Philip: Ich glaube, das gibt es genauso oft auch in Hetero Beziehungen. Man sollte halt nur klar kommunizieren, was man will. Das ist wichtig.

Andrea: Wie schaut denn dein Traumpartner aus?
Philip: Was ich echt sexy finde ist Intelligenz. Habe keinen speziellen Typen vor Augen, aber tiefsinnige Gespräche finde ich toll und anziehend.

Andrea: Ja, aber wo bleibt denn dein Blick abends in einer Bar hängen?
Philip: Ja Leute mit einer Glatze finde ich jetzt nicht so attraktiv. Augen und Ausstrahlung auf jeden Fall gut. Und klar, Kleider machen Leute, wenn da jemand nicht so mit dem Mainstream unterwegs ist, finde ich das interessant.

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Andrea: Was bist du denn für ein Typ?
Philip: Ich höre viel zu und kommuniziere viel in einer Beziehung. Ich glaube, viele haben ein Problem mit meiner direkten Art und Weise. Also ich spreche Probleme meist schnell und direkt an. Ich bin sehr politisch und beschäftige mich da auch viel damit, weil mir eben auch viele Dinge wichtig sind und darüber möchte ich mich mit meinem Partner eben auch austauschen können.

Andrea: Du bist ja bei den Jusos. Hättest du mit politischen Desinteresse deines Partners ein Problem?
Philip: Politik nimmt viel Raum in meinem Leben ein. Ich fände es wichtig, wenn mein Partner nicht total desinteressiert wäre. Er sollte auf jeden Fall wählen gehen. Und die politische Richtung sollte schon auch stimmen. Ich könnte mit keinem etwas anfangen, der total konservativ ist.

Andrea: Wo brauchst du denn einen Partner?
Philip: Naja ich brauche viel Raum für mich. Nach der Uni z.B. will ich die Tür zu machen und meine Ruhe haben. Aber einen Tatort Abend will ich dann schon gern zu zweit verbringen. Ich bin sehr naturbegeistert und das würde ich auch gern teilen.

Andrea: Wie lernst du Männer kennen?
Philip: Ich gehe viel auf Leute zu und hab eigentlich auch kein Problem jemanden kennenzulernen.

Andrea: Und in einem Jahr?
Philip: Ich lass da alles auf mich zukommen. Nur keinen Druck.

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EIN JAHR später - Interview Philip

Andrea: Was ist das letzte Jahr bei dir passiert?
Philipp: Ich war seit dem letzten Jahr nicht in einer Beziehung. Ich habe zwar viele Leute kennengelernt - also allein war ich nicht - aber es hat sich nichts ergeben.

Andrea: Ok. Magst das ausführlicher erzählen? Hast du dich verliebt im letzten Jahr?
Philipp: (zögerlich) Ne, eigentlich nicht. Ich habe Einige getroffen beim Weggehen oder habe sie übers Internet kennengelernt. Ich bin ja ein sehr offener Mensch. Ich quatsche Menschen auch einfach mal so an. Zum Ende des letzten Semesters ging es mir auch nicht so gut. Ich hatte 14 Klausuren zu bewältigen und das zerrt so an einem, dass ich keine Lust hatte, jemanden kennenzulernen oder zu sehen. Ich habe einen großen Freundeskreis und das reicht auch erstmal.

Andrea: Wie geht’s dir damit, Single zu sein?
Philipp: Ich find´s grad nicht schlecht. Ich sitz nicht heulend in der Ecke, weil ich keinen Partner habe. Ich find´s auch gut, gerade keine Kompromisse eingehen zu müssen oder sich nach jemanden richten muss.

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Andrea: Suchst du gerade?

Philipp: Nein, ich lass das auf mich zukommen. Ich befinde mich gerade auf der Zielgeraden im Studium, das aber bestimmt noch so vier Semester dauert. Danach geh ich in den Kongo, worauf ich mich sehr freue.

Andrea: Aber wenn du jemanden kennenlernen würdest, müsste der die Lücken in deinem Zeitplan suchen. Du bist schon sehr beschäftigt immer oder?
Philipp: Ja, aber das kann man dann schon schaffen, wenn man das will. Aber das Studium ist mir sehr wichtig. Weil ich mir das alles erarbeitet habe. Wichtiger als die Politik sogar.

Andrea: Hat sich an deinem Beuteschema was geändert?
Philipp: Es ist in gewisser Weise schon schwierig, weil ich ja in einer Richtung schon ein bisschen festgelegt bin: also politisch. Aber da bin ich offener geworden. Ich habe viele Leute kennengelernt, die gar nichts mit Politik zu tun haben, die aber andere Sachen können, die ich überhaupt nicht beherrsche.

Andrea: Ich habe das Gefühl, nach einem Jahr wiedersehen – du bist entspannter geworden.
Philipp: Das stimmt, das bin ich. Ich bin offener und nicht mehr so fest gefahren in meinen Vorstellungen. Er sollte neugierig sein und viel kommunizieren.

Andrea: Was ist dir denn Kurioses mit den Männern im letzten Jahr passiert?
Philipp: Klar, gab es da Typen, wo ich nach dem zweiten Treffen dachte: Was ist das denn? Und auch im Freundeskreis gibt es ja die „Heteromänner", die gern mal noch ein bisschen homo-knutschen wollen - dafür bin ja dann auch offen. (lacht) Ich knutsch halt sehr gerne. Aber ansonsten war alles recht harmlos.

Andrea: Du bist ja SPDler. Wirst du da viel drauf angesprochen?
Philipp: Ich höre oft: „Cool, dass du in einer Partei bist. Ich würde das nie machen." Und das kann ich bei der derzeitigen Lage gut verstehen. Also mit der Bundes-SPD bin ich nicht zufrieden aktuell. Ich bin ein großer Fan der Münchner SPD und der JUSOS, wo ich auch arbeite. Aber es wird gerade sehr positiv gesehen, dass man sich engagiert. Gerade in Zeiten von AFD, Brexit und so weiter.

Andrea: Du bist ja sehr offen, auch in deiner Partei. Wie ist das später in deinem Lehrerdasein? Willst du dich da outen?
Philipp: Das weiß ich noch nicht. Auf der einen Seite geht es niemanden was an, was ich privat mache. Auf der anderen Seite will ich mich aber auch nicht verstecken. Ich weiß von einem Kollegen, der das sehr offen gelebt hat. Der wurde dann aber so gemobbt, auch im Kollegium, dass er seinen Job gekündigt hat. Und der arbeitet jetzt in einem Callcenter. Also deswegen… das weiß ich noch nicht, was ich mache. Ich mach das dann von der Situation abhängig. Denn ein anderer Freund wiederrum, der auch verpartnert ist, wurde sehr gut aufgenommen an der Schule.

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