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Florian

Florian - 36 Jahre alt - Systemadministrator

Andrea: Vielleicht magst was zu deiner aktuellen Lebenssituation erzählen?
Florian: Ich bin jetzt seit sechs Jahren Single. Wohne immer noch in der Wohnung, in die ich eigentlich mit meinem Ex einziehen wollte bzw. er ist dann auch bei mir eingezogen als er mit seiner Ausbildung in Augsburg fertig war. Wir waren vier Jahre zusammen. Wir haben uns auseinander gelebt. Rückblickend nach all der Zeit würde ich sagen, wir hatten damals beide noch nicht gelernt wie man mit Konflikten umgeht.

Andrea: Und was suchst du aktuell? Suchst du überhaupt jemanden?
Florian: Auf jeden Fall. Und von mir aus kann der nächste Partner auch der sein, der bis ans Lebensende an meiner Seite bleibt. Das wäre mir schon das Liebste. Der auch mit mir zusammen leben will. Ich mag nicht mehr alleine aufwachen und einschlafen.

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Andrea: Macht es dir die Szene in München schwer, jemanden zu finden?
Florian: Ich finde es sehr schwierig. Viele kennen mich. Ich bin auch nicht mit den Unbekanntesten unterwegs. Dann gibt es wieder die Endlosgerüchte, ich sei mit dem oder mit dem zusammen, was gar nicht stimmt. Es ist schwer jemanden neu kennenzulernen in der Szene. Mag vielleicht auch an mir liegen. Wenn ich jemanden attraktiv finde, gehe ich leider nicht hin. Und die meisten, die mich dann ansprechen sind so gar nicht mein Beuteschema.

Andrea: Was ist denn dein Beuteschema?
Florian: Jünger wäre gut. Mit Gleichaltrigen komme ich eher weniger gut zurecht. Was ich gar nicht mag sind Männer mit zu viel Haar und Muskeln. Tattoo und Piercing fände ich auch gut. Darf feminin sein. Obwohl viele ja mit feminin gar nicht klar kommen. Ich schon.

Andrea: Und so freizeitmäßig, was bist du da für ein Typ?
Florian: Ich liebe es mit dem Auto spontan ins Blaue zu fahren.Ich gehe gern in die Sauna und damit meine ich nicht die Deutsche Eiche (lacht).

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Andrea: Und was hast du für Macken?
Florian: Ich liebe Ordnung. Wenn ich das Haus verlasse, ist meine Wohnung immer aufgeräumt. Meine Wäsche liegt auch immer zusammengelegt im Schrank. Struktur ist mir wichtig.

Andrea: Was wünschst du dir, wenn wir uns in einem Jahr wieder sehen?
Florian: Ich habe keine Lust mehr auf Sexdates oder One Night Stands. Ich habe Hemmungen jemanden anzusprechen mittlerweile. Aber ich suche weiter und wünsche mir, dass ich den richtigen Partner im nächsten Jahr gefunden habe.

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EIN JAHR später - Interview Florian - 2016

Andrea: Du hast mir ja schon im Vorfeld geschrieben, dass du auch im Jahr 2016 noch Single bist. Wie geht’s dir denn damit?
Florian: Es war auch letztes Jahr schon sehr unangenehm. Grad wenn du dann am Wochenende allein aufwachst. Unter der Woche geht´s ja immer noch, wenn man früh raus muss und abends gestresst nach Hause kommt. Aber am Wochenende wünschte ich mir, dass ich nicht allein schlafen muss, oder dass ich nicht alleine morgens frühstücken muss. Das vermisse ich schon sehr. Gerade auch das Urlaub-Planen oder spontan was machen.

Andrea: Was hattest du denn für Begegnungen im letzten Jahr? Hast du jemanden kennengelernt?
Florian:
Also ich hatte schon vor unserem letzten Gespräch 2105 bereits Kontakt mit einem Typen. Aber nur online. Wir haben uns dann irgendwann täglich geschrieben und auch telefoniert. Dann endlich haben wir uns zum CSD in Hannover – wo er herkommt – getroffen. War ein sehr schönes Wochenende für uns beide. Eine Woche später hat er dann den Kontakt komplett abgebrochen und auf gar nichts mehr geantwortet. Nach einem Monat hab ich dann auf Facebook mitbekommen, dass er einen Neuen hat.

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Andrea: Au weh.

Florian: Ja! Vor allem weil alles gepasst hat, bis auf die Entfernung halt. Das war auch das einzig Negative, was ich von ihm an dem Wochenende gehört habe. Er will jemanden, wo er einfach mal so hinfahren kann.

Andrea: Ja, aber trotzdem voll blöd, dass er sich nicht gemeldet hat. Spricht ja nun irgendwie nicht für ihn.
Florian: Nach ein paar Monaten kam dann mal was. Es war schon ‚ne schöne Zeit und so, aber ich bin zu weit weg. Das war‘s dann. Die erste Zeit war schon sehr ätzend.

Andrea: Und danach? War erstmal wieder Pause oder?
Florian: Ja, schön war das nicht. Das war das prägende Highlight des letzten Jahres. Es gibt schon Tage, wo ich wegen sowas heulend im Bett liege.

Andrea: Gab es noch andere nennenswerte Ereignisse?
Florian: Ja, so einen Typ, der sehr intensiv mit mir im Club geflirtet hat und mir dann nach ein paar Stunden sagte, er hat einen Freund. Da kann ich nur sagen: Was soll das? Sowas macht mich jetzt nicht fertig, aber es ist total unfair.

Andrea: Hast du denn deine Strategie im Gegensatz zum letzten Jahr geändert? Du meintest ja, du seist schüchtern und andere Leute anzusprechen fällt dir schwer.
Florian: Da hat sich nicht viel geändert. Ich lern halt Leute im Netz oder beim Weggehen kennen. Am besten durch Freunde.

Andrea: Wünscht du dir, du wärst da offener und zugänglicher? F
lorian:
Ja, gerade gestern. Es war ja CSD auf dem Rindermarkt und ich hatte da mit Einem intensiven Augenkontakt und dann bin ich näher hingegangen und dann sah es so aus, dass er wohl doch woanders hingeschaut hat. Und da hab ich dann Angst, dass das gleich in einer sehr unangenehmen Situation enden könnte.

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Andrea: Wovor hast du da genau Angst?
Florian: Ich kann‘s nicht sagen und nicht konkretisieren. Es ist auf jeden Fall ein sehr beklemmendes Gefühl. Das ist so eine innere Wand, wo man immer wieder dagegen läuft.

Andrea: Wie wär‘s mit einem Wingman oder einer Wingfrau?
Florian: Ja, da hab ich tatsächlich eine, aber die übertreibt es dann auch immer gleich. Die ist halt extrem offen und das ist mir dann zu viel.

Andrea: Hat sich denn an deinem Beuteschema was geändert?
Florian: Da bin ich ein bisschen offener geworden. Kann auch gern mal mein Alter sein. Aber oft ist es wirklich so, dass Leute in meinem Alter in ihrem Zeitraster hängen. Spontanes ins Auto setzen und losfahren ist da schwer möglich.

Andrea: Was ist denn dein Fazit fürs letzte Jahr und fürs kommende vielleicht?
Florian
: Da hab ich keinen Plan. Entweder treffe ich jemanden oder vielleicht ändert sich auch bei mir was. Dass ich offener werde oder so. Sowas geht ja immer schleichend vonstatten.

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