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Maria

Maria - 35 Jahre alt - Office Managerin

Andrea: Wie ist dein aktueller Stand?
Maria: Ich bin Single und bin da auch grad sehr glücklich damit. Ich mache sehr viel mit Freunden am Wochenende und genieße die Freiheiten. Lerne auch viele neue Leute kennen, ich bin gerade sehr zufrieden mit mir selbst und schaue, was so passiert.

Andrea: Das klingt nach frisch verarbeiteter Trennung?
Maria: Ich hatte da mal was mit einem Anfang des Jahres, der hatte auch schon zwei Kinder. Aber irgendwann sagte er mir, dass er keine weiteren Kinder wolle, obwohl wir da  ganz anders drüber geredet hatten. Das war dann schon eine krasse Ohrfeige. Das führte dann zur Trennung, weil ich schon einen Partner möchte, wo man auf einer Wellenlänge liegt.

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Andrea: Tickt da deine biologische Uhr besonders laut und setzt du dir gerade eine Deadline?
Maria: Bis vor einem Monat war ich schon ein bisschen panisch. Oh Gott, du bist jetzt 33, ich will das jetzt unbedingt, aber mittlerweile bin ich da ruhiger. Das bringt ja auch nichts. Man strahlt da auch so was Komisches aus und zieht komische Menschen an. Ich hab da jetzt die Taktik geändert und das funktioniert super. Ungeplant an die Sache ran gehen.

Andrea: Lass mich raten, mit dieser Einstellung wirst du total oft angesprochen oder?
Maria: Oh ja (lacht) Zurzeit ist es aber auch krass. In der Arbeit sprechen mich die Leute an, ich würde so eine positive Ausstrahlung haben, ob ich einen neuen Freund hätte. Nein, eben genau deshalb geht’s mir gut. Seitdem der Schalter umgelegt ist, bekomme ich ständig was ausgegeben.

Andrea: Dein Traummann, wie sieht der aus?
Maria: Kein Bierbauch bitte, er sollte auf sein Äußeres achten. Ganz wichtig sind die Schuhe. Das muss einfach zu dem Typ passen. Er sollte wissen, was er will. Rumeiern mag ich gar nicht mehr haben. Kein „Ja Sager“ bitte. Er sollte ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern haben. Das ist mir wichtig, weil ich ein Familienmensch bin und ich mal eine Beziehung hatte, wo der Typ einen so schlechten Draht zu seiner Mutter hatte, was mir schon viel eher hätte zu denken geben sollen. Ich bin zu jeder Jahreszeit gern draußen, das wäre mir wichtig, unterwegs sein und reisen. Treue und Humor. Ich bin oft sehr sarkastisch.

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Andrea: Und deine Macken? Was muss dein Zukünftiger aushalten?
Maria: Ich habe es gern, wenn es nach meinem Kopf geht. Aber es wird schon besser. Ich geh auch Kompromisse ein. (lacht). Meine Erwartungen sind oft viel zu hoch. Nicht nur an mich, sondern auch an die anderen. Damit setzte ich mich selber und meine Mitmenschen manchmal sehr unter Druck. Ich hoffe, dass das mit der Beendigung meines Studiums dann auch vorbei ist.

Andrea: Wie stark haben dich deine vergangen Beziehungen geprägt bzw. nehmen Einfluss auf die neue Partnerwahl?
Maria: Sehr starken Einfluss. Ich war in meiner vorletzten Beziehung nämlich auch mal verlobt und dieser Typ hatte ein sehr starkes Drogen – und Alkoholproblem. Und wenn mein Traummann vor mir steht und er sagt, er hat was mit Drogen zu tun, wäre ich weg. Ich habe da auch mittlerweile einen geschärften Blick dafür. Das geht leider gar nicht. Ich habe mich damals in der Beziehung selber vergessen, hab alles versucht zu vertuschen, damit das niemand mitbekommt. Ich musste da auch über ein Jahr in Therapie. Stichwort Co-Abhängigkeit. Dass ich mich jemals wieder so für jemanden aufopfere, das wird nicht mehr passieren.

Andrea: Was wünschst du dir, was anders sein soll in einem Jahr?
Maria: Neuer Job wäre ganz wichtig. Steht aktuell gerade sogar über der Beziehung. Ins Ausland würde ich gern noch mal wollen. Und Beziehung ist irgendwie nicht so in meinem Focus. Ich bin grad auch so sehr happy. Ich denke eher, hoffentlich kommt da keiner, denn ich habe gerade so viele Pläne ohne Mann.

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EIN JAHR später Interview Mary

Andrea: Ich habe auf Facebook Fotos von einer Weltreise gesehen. Wie kam es denn dazu?

Mary: Ich hatte im September mein Fernstudium in BWL und Wirtschaftspsychologie abgeschlossen. Aber so richtig Spaß hatte ich in meinem alten Job nicht mehr. Das Betriebsklima wurde immer mieser und ich wollte da eigentlich gar nicht mehr hin. Hatte mich dann halbherzig beworben und da kamen nur Absagen und da ich eh immer noch mal ins Ausland wollte, dachte ich, das ist ein Zeichen und innerhalb weniger Wochen war das dann auch so gut wie geplant und die Länder wusste ich auch schon.

Andrea: Was war denn dabei?
Mary: Australien, Neuseeland und Teile Asiens. Aber allein. Ehemalige Kollegen dann: Wie kannst du nur, ohne Job. Aber ich denke. Naja, ich kann ja immer wieder zurück und ich breche ja nicht alle Zelte hier ab. Ich war da irgendwie tiefentspannt. Am 3.1.20016 bin ich dann geflogen. War erst vier Wochen Sri Lanka, dann war ich sieben Wochen in Kambodscha, sieben Wochen Australien, vier Wochen Neuseeland, drei Wochen Indonesien und dann noch ein paar Tage in Dubai bei einem Freund und bin dann Anfang Juli zurückgekommen. Das war die beste Entscheidung. So viel erlebt. So viele tolle Menschen kennengelernt.

Andrea: Und? War da vielleicht auch jemand Besonderes dabei?
Mary: Ja, in Byron Bay hab ich dann meinen Freund kennengelernt. Der war auch unterwegs auf Weltreise. Ich war zu dem Zeitpunkt mit einer Bekannten unterwegs, die dann meinte, wir treffen uns heute Abend am Strand mit zwei Jungs. Sind zwei Franzosen. Die kamen dann abends mit einer Flasche Wein und irgendwie hat es gleich von Anfang an gestimmt. Gleicher Humor und so weiter. Naja auf jeden Fall saßen wir dann irgendwann alleine da. Also ich mit dem Berat (Name geändert). Die anderen waren schon im Bett. Toller Sternenhimmel (grinst) und dann haben wir geknutscht. Aber ich dachte mir, naja, der ist 26 und will eh nur Spaß.

Andrea: Ja anscheinend nicht…
Mary: Ja am nächsten Morgen rückte er nicht mehr von meiner Seite. Machte mir Kaffee und grinste mich die ganze Zeit an. Den nächsten Tag verbrachten wir zusammen. Alles war irgendwie ganz selbstverständlich mit Händchen halten und so. Aber er musste dann eben weg und der Abschied war dementsprechend traurig. Wollten uns aber unbedingt nach meiner Reise wiedersehen. Paris – München ist ja jetzt nicht so weit weg. Aber kaum war er weg, ruft er auch schon wieder an und meinte, er vermisse mich jetzt schon so und er könne das jetzt nicht, 2000 Kilometer allein mit dem Auto fahren. Und ich sitz so da und sehe ihn dann hinter so einer Säule stehen. Ich bin dann aufgesprungen und zu ihm hingerannt und was er denn hier macht. Naja und dann hat er seinen Flug umgebucht gehabt und mich gefragt, ob ich noch zwei Tage mit ihm verbringen möchte.

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Andrea: Und dann?

Mary: Nach den zwei Tagen mussten wir uns dann wirklich verabschieden. Haben dann ganz viel telefoniert und geschrieben. Nach zwei Wochen haben wir uns entschlossen, dass wir uns nochmal treffen und zusammen weiterreisen wollen.

Andrea: Warst da schon verknallt?
Mary: Oh ja. Drei Wochen waren wir dann noch zusammen unterwegs. Noch nie wurde ich so verwöhnt. Er hat sich um alles gekümmert, hat alles organisiert und war super engagiert. Und ich dachte mir. Boah, der ist weiter als so manch einer in meinem Alter.

Andrea: Er ist ein Türke aus Paris, richtig? Hast du was von der Mentalität gemerkt? Sofern er eine in der Richtung hat?
Mary: Also auf unser Reise hab ich nichts gemerkt. Er hat mir viel erklärt über seine Religion, weil mir viele Sachen sehr befremdlich erscheinen und ich dachte schon, ach, das ist doch gar nicht so schlimm. Grad der Islam ist für mich eine Religion, von der ich denke, nein, das will ich nicht. Aber unsere Reise war total harmonisch und wir haben dann beide gesagt, man könnte das weiterführen. Vielleicht sogar zusammen ziehen. Naja auf jeden Fall ist dann jeder erstmal zu sich nach Hause und wir wollten uns dann auf jeden Fall schnell wieder sehen. Und so haben wir uns vor zwei Wochen in Rotterdam getroffen. Er hat dort viel Familie und das wäre auch ein Ort gewesen zum Hinziehen. Ich wollte mir das aber erstmal anschauen, ob die Stadt was für mich ist.

Andrea: Also sitzt du grad auf gepackten Koffern?
Mary: Mmmh. Ich bin dann also nach Rotterdam geflogen. Wusste, aber irgendwas stimmt nicht. Ich fühlte mich anders und war mir eigentlich zu 100 Prozent sicher, dass ich schwanger bin.

Andrea: Was? Moment. Wie hast du das gemerkt?
Mary: Zwei Wochen nachdem ich wieder hier war. Klar, meine Tage kamen nicht, aber mir war auch übel und mein ganzer Körper fühlte sich anders an. Also das komplette Programm. Hab ihm das aber schon vor Rotterdam geschrieben. Er war aber total entspannt. Je mehr Panik ich geschoben habe, desto entspannter wurde er. Wir haben dann zusammen einen Test in Rotterdam gemacht und der war – klar – positiv. Ich hab den Test in der Hand gehalten und hab immer nur Nein gesagt. Ich hab mich schon gefreut, aber ich konnte es trotz allem immer noch nicht glauben. Wir waren ja nur drei Wochen unterwegs.

Andrea: Habt ihr verhütet?
Mary: Nein, wir haben es drauf ankommen lassen.

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 Andrea: Nach so kurzer Zeit?
Mary: Wir wussten beide, dass es passieren kann. Ich kann nur für mich sprechen, aber ich dachte nicht, dass es so schnell geht. Er war dann irgendwie auch geschockt und machte zuerst ein Foto von dem Test. Seiner Cousine erzählte er gleich, dass sie Tante wird.

Andrea: Also wollte er auch das Kind?
Mary: Zuerst ja. Wir reisten dann noch ein bisschen herum und da fing es eigentlich schon an, dass er mal sagte, er wolle das Kind, dann wieder nicht. Bis ich dann angefangen hab zu zweifeln und hab kurz überlegt, es abzutreiben. Es war alles zu viel für mich. Er wollte plötzlich nicht mehr. In München wurde der Anschlag verübt und ich dachte in dem Moment nur, wie kannst du in diese Welt ein Kind setzen? Aber er schwenkte dann wieder um in die Richtung, wir schaffen das und damit war die Entscheidung klar und ich habe auch nie wieder daran gedacht, mein Baby abzutreiben.

Andrea: Ja und nun? Wie geht’s weiter?
Mary: Zurzeit geht alles nur per Telefon. Ich war dann beim Arzt und schickte ihm den nächsten Kontrolltermin und dass es schön wäre, wenn er dabei wäre. Aber da kam gar nichts mehr. Ich hing dann total in der Luft. Gestern haben wir telefoniert und er dann immer, ja ich will Kinder. Ich fragte ihn dann, ob er dieses Kind will, denn ich bin ja schon schwanger. Dann kam der Satz, er hätte mir schon so oft gesagt, er wolle das Kind nicht und wird mich da auch finanziell nicht unterstützen.

Andrea: Ihr habt mit Absicht nicht verhütet. Es war also kein Unfall und auch eine bewusste Entscheidung von dir und von ihm.
Mary: Ja, ich will Kinder und wann ist schon das Timing perfekt? Im Moment plane ich, dass ich alleinerziehend sein werde. Aber das haben auch andere geschafft, dann schaffe ich das auch. Ich habe ihm jetzt gesagt, er soll jetzt mal in Ruhe darüber nachdenken, was er will und sich dann bei mir melden. Er will aktuell, dass ich abtreibe, aber das will ich nicht. Ich bin ja keine 17 mehr. Die Zeit ist reif für mich. Klar wird das finanziell erstmal nicht rosig aussehen, aber ich bin top ausgebildet. Bald geht das Kind in Kindergarten und ich wieder arbeiten. Mir ist das Kind wichtiger als er. Klar würde ich das gern mit ihm zusammen machen, aber er setzt mir die Pistole auf die Brust. Jetzt will er herkommen und meine Eltern kennenlernen. Also ich bin grad sehr verwirrt. Heute so morgen so.

Andrea: Das sind abgefahrene News. Damit hab ich nicht gerechnet.
Mary: Ja langweilig wird es nicht. (lacht)

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Andrea: Wie geht’s dir insgesamt damit?

Mary: Ich freu mich auf das Kind. Gestern war ich bei einer Beratungsstelle und nun weiß ich, ich würde es auch allein schaffen, damit geht es mir besser. Weil ich dachte, ich schaffe das finanziell nicht. Ich hatte zu viele Fragen im Kopf.

Andrea: Ja und deine Gefühle ihm gegenüber?
Mary: Vor ein paar Wochen hätte ich meine Hand für ihn ins Feuer gelegt. Das würde ich jetzt nicht mehr machen. Es ist gerade ein ziemlicher Knick in der Beziehung. Unsicherheiten sind ja erlaubt und man kann ja über alles reden. Aber solche Aussagen, ich werde dich nicht unterstützen sind zu heftig. Das habe ich nicht erwartet. Ich hätte gedacht, dass er immer hinter mir steht. Das habe ich ihm auch gesagt und das hatte er mir vor allem auch gesagt. Man dürfe nicht gleich aufgeben und muss zusammen halten. Das waren seine Worte. Wir haben lange Gespräche über diese Themen geführt und ich dachte immer, der lässt mich nicht hängen. Und jetzt sowas? Das passt nicht zusammen.

Andrea: Was würdest du dir denn wünschen wie die Geschichte ausgeht?
Mary: (überlegt lange) Im Moment schwierig. Ich weiß nicht, ob ich ihn noch will. Ich wünsche mir, dass er sich das nochmal überlegt und zu sich kommt und sich für das Kind entscheidet. Aber ich werde ihn definitiv nicht heiraten, sprich, ich habe erstmal das alleinige Sorgerecht. Das ist mir wichtig und ich bin mir nicht sicher genug. Nachher nimmt er einfach das Kind und haut damit ab. Ich vertraue ihm gerade nicht und ich bin maßlos enttäuscht von ihm. Wut vergeht, aber sowas?

Andrea: Auf die Entfernung alles ein bisschen schwierig, in der Tat.
Mary: Ich bin auch zum ersten Mal schwanger. Ich kenn mich auch gerade nicht aus. Gerade, weil es so schnell gegangen ist, hätte ich mir gewünscht, dass er bei allem dabei ist, was ich gerade allein mache.

Andrea: Alles Gute für dich Mary. Ich frage dich in ein paar Wochen nochmal wie der Stand der Dinge ist, vielleicht gibt es ja doch ein Happy End.


Nachtrag Redaktion: Mary hat mittlerweile ein kleines Mädchen mit dem Namen Ella zur Welt gebracht und zieht sie allein groß. Den Kontakt zum Erzeuger hat sie abgebrochen.

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