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Micha

Micha - 42 Jahre alt - Entwicklungsassistentin

Andrea: Wie ist dein Status Quo?
Micha: Ich habe grad zwei Affären hinter mir, die gleichzeitig gelaufen sind. Das war nicht so das Wahre. Das eine mit dem Mann wurde mir zu eng und habe das beendet. Meine letzte Frau ist schon zwei Jahre her.

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Andrea: Wie sollte denn dein Traumpartner aussehen?
Micha: Schwierig. Ich ja bi und da kann ich nicht mal sagen, ob es ein Mann oder eine Frau sein soll. Also Männer mit Glatze finde ich toll und durchtrainiert sollte er sein. Er sollte schon eine gewisse Dominanz haben. Jemand, der mir die ganze Zeit am Rockzipfel hängt, brauche ich nicht. Er sollte auch älter sein. Wenn es um eine Frau geht, wird es richtig schwierig. Ich mag die klassische Lesbe. Kurze Haare, Tattoos, herbes Gesicht. Androgyn ist wohl das richtige Wort. Ich hätte auch gern Kinder, aber mit 40 wird’s langsam schwierig.

Andrea: Sollte die Frau dann auch eine Dominanz mitbringen?
Micha: Die sollte auch Schmackes haben. Ähnlich wie beim Mann.

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Andrea: Wie waren denn deine bisherigen Partner?
Micha: Ich hatte erst zwei richtige Partner. Sie war eher feminin, aber mit Durchsetzungsvermögen. Er, das ist schon viel zu lange her.

Andrea: Wie siehtst du dich in einem Jahr?
Micha: Ich merke, dass es immer schwieriger wird, jemanden zu finden. Die Kompromissbereitschaft lässt arg nach. Ich hätte schon gern eine Beziehung, wo ich Zuhause bin und wo ich mich geborgen fühle. Aber offen sollte sie eben auch sein. Ich bin ja bi und ein Mann kann mir eben das nicht geben, was mir eine Frau geben kann und das ist ziemlich schwierig, habe ich schon festgestellt. Ideal wäre natürlich eine Beziehung mit Mann und Frau.

Andrea: Wo suchst du?
Micha: Wenn man sucht, findet man nur Schrott, das ist meine Erfahrung. Datingseiten im Netz sind ganz schlimm. Ich geh auch gern auf Fetischpartys. Die Szene ist da sehr klein. Und auch die Lesbenszene ist Bi - Leuten nicht sehr offen gegenüber eingestellt. Ich habe mal einen Mann mit auf die Amazonas Party gebracht und wenn Blicke töten könnte, würde ich jetzt hier nicht sitzen.

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EIN JAHR später - Interview Micha

Andrea: Wie ist es dir im letzten Jahr ergangen? Erblondet bist du – das sehe ich.
Micha: Es sind schon ein paar Sachen vorgefallen, aber nichts Großartiges.

Andrea: Sind ja auch immer eher die kleinen Dinge, die Großartiges bewirken. Wie bist denn gerade gepolt? Eher Mann oder Frau?
Micha: Mein aktuelles Beuteschema bezieht sich eher auf den Mann. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich doch noch eine Familie gründen möchte. Aber es wird nicht einfacher. Ich meine, ich werde nicht jünger. Man hat Ansprüche und es wird immer schwieriger. Die meisten sind ja auch vergeben. Da bleibt nicht viel übrig.

Andrea: Bezieht sich das auf die SM Szene, in der du ja schon letztes Jahr unterwegs warst?
Micha: Ja, das hat sich intensiviert. Da kenne ich auch viele Leute. Sind aber immer die gleichen Pappnasen, die sich da rumtreiben. Wer sucht, der findet nicht. Ich werde aber manchmal von irgendwelchen Menschen gefunden. Bisher hat es leider immer nicht funktioniert miteinander. Ich versuche, entspannt zu bleiben.

Andrea: Hast du denn niemanden kennengelernt?
Micha: Doch kürzlich erst, aber wir haben zu große auseinander klaffende Vorstellungen von einer Beziehung. Das wäre in einem Drama geendet.

Andrea: Was hat denn da nicht gepasst?
Micha: Er wollte es eher monogam halten, ich aber nicht. Das hat schon mal nicht gepasst. Er ist halt ein Kontrollfreak und hatte da bestimmte Vorstellungen, was Klamotten betrifft. Das war mir zu heftig.

Andrea: Aha – jetzt wird’s interessant. Jemand aus der Szene? So in Richtung Sklavenhaltung?
Micha: Ja, aber ich mag es nicht haben, wenn man sich in so einem abgesteckten Rahmen bewegt. Ich brauche meine Freiheit. Ich will meinem Gegenüber auf Augenhöhe begegnen und nicht als Sklave gehalten werden.

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Andrea: Wie meinst du das? Dass sich der sexuelle Bereich nicht in den Alltag hinein überträgt?
Micha: Genau. Deshalb hatten wir uns ziemlich in der Wolle.

Andrea: Und den Frauen hast du jetzt ganz abgeschworen?
Micha: Naja ich bin in der Fetisch Szene unterwegs und da gibt es leider nicht so viele Lesben. Habe aber zudem auch schon lange keine mehr gesehen, die mir gefällt. Vor ein paar Jahren gab es da mal Eine, die würde ich immer noch toll finden. Leider ist die total verschollen.

Andrea: Und Thema Familie? Ich meine, letztes Jahr hast du schon gesagt, es ist eigentlich zu spät.
Micha: Ja eigentlich, aber die Hoffnung will ich noch nicht ganz aufgeben, obwohl ich schon 40 bin. Aber es sollte dann schon passen. Werde mir aber nicht den Nächstbesten schnappen und ein Kind machen.

Andrea: Und allein ein Kind bekommen?
Micha: Ne, das möchte ich mir nicht antun.

Andrea: Was würdest du in Zukunft anders machen?
Micha: Also was ich immer wieder feststelle: ich bin nicht mehr bereit, irgendwelche faulen Kompromisse einzugehen. Ich suche jemanden, der mein Leben bereichert und nicht einen, der immer im Weg steht. Gerade wenn man schon lange Single ist, neigt man ja schnell dazu irgendjemand zu nehmen, weil ein bisschen passt es ja immer irgendwie. Aber das mache ich nicht mehr. Ich will mich nicht in Beschlag nehmen lassen. Ich bin ja monogam in meinem tiefsten Inneren, aber ich will es von mir aus sein und nicht dazu gezwungen werden.

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