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Flora

Femme - 26 Jahre alt - Innenarchitektin

Andrea: Siehst du dich selber als Randgruppe?
Flora: Ja, ich sehe mich auf jeden Fall als Randgruppe. Ich sehe sehr weiblich aus, das heißt, ich bin eine Femme in der lesbischen Szene. Das definiert sich über lange Haare, weibliche Klamotten, Make-up und weibliches Auftreten. Aber meistens eben über die Kleidung und das Styling.


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Andrea: Und warum glaubst du, hast du eine Sonderstellung in der Szene?
Flora: Das hat einen historischen Ursprung. Damals wollten lesbische Frauen sich optisch abheben von heterosexuellen Frauen und die haben sich deshalb maskulin gekleidet und eben auch um den Männern zu signalisieren: Ich gehörte nicht in euer Beuteschema. Und so wurde es über die Zeit eben zum Standard oder auch Klischee, dass Lesben eher maskulin gekleidet sind. Feminine Lesben gab es ja früher nicht – sie waren nicht existent bzw. man hat sie nicht erkannt. Heute ist die Gesellschaft ja offener. Man traut sich mehr und die Frauen finden mehr zu sich selbst und damit werden auch die femininen Lesben offensichtlicher.

Andrea: Mit was für Reaktionen musst du umgehen?
Flora: Naja, ich bin es auf jeden Fall gewohnt, schief angeschaut zu werden. Der Blick von oben nach unten. Oft habe ich Kommentare gehört, dass ich hier nicht dazu gehöre. Ich spüre da schon eine starke Mauer, die zwischen einer femininen Lesbe und maskulinen Lesbe ist. Was dann aber auch wieder schön ist, wenn ich auf diese Menschen mit Vorurteilen zugehe, ist, die meisten werden dann offener, wenn sie feststellen, ok, die ist ja wirklich eine Lesbe.

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Andrea: Also musst du dich als Femme ständig erklären? Ist das nicht anstrengend?
Flora: Kommt drauf an wie ich mich fühle. Es tut natürlich schon weh, wenn man immer mit diesen Blicken konfrontiert wird oder immer wieder komische Kommentare hört. Aber ich lerne da immer wieder drüber zu stehen und so zu sein wie ich bin. Ich hatte mir auch schon mal die Haare kurz geschnitten. Das war einfacher. Ich wollte mal sehen wie es sich anfühlt, dazu zu gehören, wie es sich anfühlt mit kurzen Haaren. Klar, es gab dann mehr Zuspruch und man hat mir auch sofort geglaubt, dass ich lesbisch bin. Es war eine gute Erfahrung, aber ich habe mich nicht wie ich gefühlt. Mit dem Wachsen der Haare wurden auch die Barrieren größer.

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Andrea: Viele maskuline Lesben wollen ja eine feminine Freundin oder? Das passt doch nicht?
Flora: Schubladendenken ist halt einfacher. Als ich noch einen Partner gesucht habe und da auch viele Frauen kennen gelernt hatte, wurde ich nach den ersten paar Treffen immer noch gefragt, ob ich bi bin. Der Zuspruch war da, aber der Glaube an die feminine Lesbe nicht.

Andrea: Wie empfindest du die Diskriminierung?
Flora: Das ist total konträr. Die Randgruppe fordert eigentlich Toleranz und möchte anerkannt werden, aber ist selbst überhaupt nicht tolerant. Also ich lebe ein ganz normales Leben, gehe gern und oft hetero weg und habe sehr viele Heterofreunde. Aber so viele andere Lesben leben irgendwie zu gern das Randgruppendasein und bewegen sich aus der Szene nicht raus und das verstellt den Blick.

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Andrea: Was unternimmst du gegen die Diskriminierung von Femmes?
Flora: Ich versuche durch einen Mode Blog und andere Aktivitäten auf die Femmes und die feminine Seite der Lesben aufmerksam zu machen. Ich blogge für LesbianChic im Bereich Lifestyle, lesbische Leben und feminine Frauen. Es ist nicht einfach, aber ich kriege immer mehr Zuspruch. Nicht nur Femmes, sondern auch von den „Klischeelesben“ die sagen, dass sie es gut finden und gern auch mehr feminine Lesben kennenlernen würden. Die Szene ist da schon teilweise offen dafür, aber traut sich eben noch nicht.

Andrea: Meinst du, Femmes sind irgendwann gut in der Szene integriert?
Flora: Es gibt ja irgendwie zwei Arten von Lesben. Die Szene Lesbe und die, die sich von der Szene fernhalten. Feminine Lesben wird man selten in der Szene finden, weil sie eben mit der Diskriminierung nichts zu tun haben wollen. Ich wünschte mir, dass es toleranter zugehen würde. Vielen Szenelesben schreiben mir auf Facebook, sprechen mich dann aber nicht auf einem Straßenfest an, weil es ihnen peinlich ist. Vielleicht bin ich ihnen zu groß oder feminin. Man merkt einfach, da ist eine allgemeine Hemmung und Grenze mich anzusprechen. Ich muss dazu sagen – noch – ich wünsche mir, dass ich dazu beitragen kann, dass beide Seiten mehr aufeinander zugehen und mehr Austausch stattfindet, so dass sich feminine Lesben nicht so ausgeschlossen fühlen von der Szene.

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